Evaluation
Beratung hat sich als zentrale Aufgabe von Personen in pädagogischen und sozialen Handlungsfeldern etabliert. Zunehmend gibt es daher auch Fortbildungsangebote, in denen Beratungskompetenzen vermittelt werden. Leider liegen bisher nur selten Studien zur Evaluation vor. Die wenigen durchgeführten Untersuchungen befassen sich meistens mit der Beurteilung der Fortbildung, aber nur äußerst selten mit dem Transfer der Beratungskompetenzen in den Berufsalltag und mit der Wirkung der Beratungsgespräche auf den Ratsuchenden. Mit großem Engagement wurde (und wird) die Kooperative Beratung und ihre jeweiligen Fortbildungen evaluiert
Die „Kooperative Beratung“ ist in drei Abschnitten durch Mitarbeiter des Modellversuches sowie wissenschaftlichen Hilfskräfte der Evaluationsprojekte evaluiert worden:
(1) Modellversuch Bund-Länder-Kommission,
(2) die Evaluation der fortlaufenden „Länderübergreifenden Zusatzqualifikation Kooperative Beratung
(3) eine Nachbefragung zum langfristigen Transfer der Fortbildungsinhalte. Evaluation der „Länderübergreifenden Zusatzqualifikation Kooperative Beratung“ (LZQ)
Ein ausgewählter Teil der Evaluationsergebnisse wird an dieser Stelle vorgestellt.
Name | Stichprobe | Erhebungsinstrumente | Ergebnisse |
Der Modellversuch der Bund-Länder-Kommission (1990-1992)[1] = Effektivität von der Fortbildung Kooperative Beratung | Kurs I: 17 Teilnehmer Kurs II: 15 Teilnehmer | systematische Beobachtung Fragebögen Systematische Auswertung von aufgezeichneten Beratungsgesprächen | Kompaktseminare und regionale Kleingruppen sind sehr lernfördernd Hohe Lerneffekte bzgl. der Umsetzung u. Anwendung im Schulalltag Regelmäßige Einsatz der Methode auch noch nach 6 Monaten Beratung wird als hilfreich erlebt Schwierige Arbeitsbedingungen haben kaum negative Wirkung auf die Qualität der Beratung |
Evaluation der „Länderübergreifenden Zusatzqualifikation Kooperative Beratung“ (LZQ) = Effektivität der Fortbildung und den Transfer der erlernten Beratungskompetenz | ersten 10 Kurse (1993-2005) = 219 Personen | systematische Beobachtung Fragebögen Systematische Auswertung von aufgezeichneten Beratungsgesprächen | sehr positive Einschätzung der Inhalte, Methoden, Beratungskompetenzen, Atmoshäre, Teilnehmermitverantwortung, Dozenten, Rahmenbedingungen sowie des Transfers hilfreiche Bedingungen: z.B. Übung sowie die Begleitung der Übung und die positive Atmosphäre hemmende Bedingungen: mangelnde Übungszeit Transfer der Gesprächsführungselemente und Beratungsschritte in den Berufsalltag |
Transfer des Trainings „Kooperative Beratung“ in der Schulpraxis[2] = Langfristiger Transfer der Fortbildungsinhalte der LZQ | 131 Fragebögen (Teilnehmer von den Kursen 1993-2005) = 13 Kurse der LZQ
| Fragebogen | regelmäßiger Einsatz im Berufsalltag Anwendungsmöglichkeit im Berufsalltag ist in einem ausreichenden Maße gegeben Schritt „Analyse der Situation“ sollte im Training intensiver durchgeführt werden OIDÜR ist hilfreich für den Lernprozess Schwierigkeiten bei der Verankerung im Schulalltag |
Umsetzung der Beratungsausbildung[3] = Kontrastmethode | 6 Personen aus LZQ bis 2005 | Leitfadeninterview | Teilnehmer haben positive Grundhaltungen zur kooperativen Beratung Besondere Stärken liegen in der Problemlösungsstruktur und im Dialogkonsens Vertrauensverhältnis als zentrale hilfreiche Bedingung Hemmende Bedingungen: Zeitfaktor und vertikale Strukturen im Schulsystem |
Evaluation der Effektivität der Ausbildungsseminare für Studenten an der Universität Leipzig[4] | 5 Einzelstichproben der Seminare 1997 (19 Personen) , 1998 (17 & 21 Personen), 2005 (24 Personen) und 2007 (20 Personen) = 101 Personen | Fragebogen (Feedback zur LZQ) Dimensionsbogen der Kassettenauswertung | Hohe Zufriedenheit mit der Ausbildung hohe Umsetzung der Gesprächsführungslemente und der Beratungsschritte Co-Trainerbetreunung hat keinen eindeutigen Effekt auf die Kompetenzentwicklung |
Beurteilung der LZQ durch die Teilnehmer der Fortbildung[5] | 209 Teilnehmer aus 12 Kursen (1995-2006) | Fragebogen (FEB) | Übungen treffen bei den Teilnehmer auf Zustimmung u. OIDÜR wird als förderlich empfunden Positive Atmosphäre Co-Trainer werden als förderlich erlebt Zu wenig Übungszeit |
Anwendung der Kooperativen Beratung während und direkt nach der Fortbildung[6] | 99 aus 12 Kursen (1995-2006) | Auswertung von Tonaufnahmen mittels Dimensionsbogen
| Hoher Realisierungsgrad alle Elemente der Gesprächsführung u. Beratungsschritte Allgemein signifikanter Lernzuwachs |
Wirkungsmessung der Kooperativen Beratung als Einzelfallstudie[7] | 11 Lehrerinnen und 1 Sozialpädagogin | Pretest-Baseline, Beratung, Posttest I und Posttest II – follow up
| Senkung der Problembelastung für den Ratsuchenden Aufbau von Selbstvertrauen und Handlungssicherheit Annahme einer anderen Sichtweise auf das Problem/ u. Förderung der Reflexivität des Ratsuchenden Umsetzung der entwickelten Lösungen Abnahme des unerwünschten Schülerverhaltens positive Veränderungen des Lehrerverhaltens Verbesserung der Unterrichtsatmosphäre
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[1] Vgl. MUTZECK, Wolfgang, Kooperative Beratung. Grundlagen-Methoden-Training-Effektivität, Weinheim-Basel 2008, S.170-177.
[2] BITTRICH, Alexander, Transfer des Trainings „Kooperative Beratung“ in die Schulpraxis. Wissenschaftliche Arbeit zum ersten Staatsexamen, Universität Leipzig, S. 57-61.
[3] HUBER-HAFTMANN, Nina, Kooperative Beratung. Eine empirische Studie zur Umsetzung der Beratungsausbildung, Frankfurt 2006, S. 36-38.
[4] MEILAND, Stephanie, Studie über die erste Phase der Ausbildung zum Förderschullehrer, Leipzig 2006.
[5] MELZER, Conny/HARTMANN, Blanka & MUTZECK, Wolfgang, Abschlussbericht zum Forschungsprojekt Kooperative Beratung, Universität Leipzig 2008, S. 47-97.
[6] Ebd., S. 98-120.
[7] Ebd., S. 158-279.
Eine ausführlichen Überblick über die Evaluationsergebnisse der Kooperativen Beratung ist in Mutzeck, Wolfgang (2008): Kooperative Beratung. Grundlagen-Methoden-Training-Effektivität, Weinheim/Basel abgedruckt.
Weitere Untersuchungsvorhaben wurden bereits begonnen bzw. geplant. Zukünftig wird die Anwendung der Kooperativen Beratung im schulischen Kontext verstärkt evaluiert.
